Ankerzeit
von Daniela Jäggi
Nach vielen Jahren als Kriegerin an der Onkofront gemeinsam mit meinem palliativ an Krebs erkrankten Mann habe ich mehrfach lernen müssen, dass ein Patient und seine Familie ziemlich auf sich alleine gestellt sind.
Oft hätte ich mir jemanden gewünscht, der mir 1000 Fragen beantworten kann. Jemanden, der weiss, worauf es an der Front ankommt. Jemanden, der nicht 3 Wochen Wartezeit hat für einen 20-minütigen Termin.
Nachdem ich meinen Mann in den Tod begleitet habe, wurden mir viele düstere Prognosen gemacht, wie sehr mich die nächste Zeit beuteln werde. Ich habe viel Kraft und Energie aufwenden müssen, um mich von diesen Prognosen nicht irritieren zu lassen. Trauer hat nämlich 1000 Gesichter und ist sehr individuell. Es gibt also kein richtig und schon gar kein falsch!
Und während dieser ganzen Lebenszeit habe ich immer wieder gedacht, dass es doch jemanden geben müsste, der einen in diesen akuten Phasen schnell und unkompliziert abholt. Unser öffentliches System hat dafür nämlich weder Zeit, noch Kapazität.
So kam bei mir die Idee von Ankerzeit. Ich habe mich in all diesen Jahren immer noch zusätzlich weitergebildet, für mich und meinen Mann. Und nun ist mein Rucksack gut gefüllt mit unendlich vielen Erfahrungen, einem umfangreichen Wissen und mit ganz viel Empathie und Verständnis für Lebenssituationen, die einen einfach mal kurz über Bord katapultieren.
Ich bin stolz, dass mein Herzensprojekt nun da ist. Für mich – aber in erster Linie für jeden da draussen, der gerade nicht weiss, wie er mit dem aktuellen Sturm im Leben klarkommen soll.
Ein neuer Abschnitt in meinem Leben – gerne an der Seite von Menschen, die es gerade so dringend brauchen.