Dein letzter Flug
von Daniela Jäggi
Hey Mick
Die silberne DC3 - Dein Herzensflugzeug, dessen Überflug aus den USA in die Schweiz Du begleitet hast, hat Dich heute - wie Du es Dir gewünscht hast - auf Deinen letzten Flug mitgenommen. Mein Herz war schwer, als ich Deine Asche aus der Urne in den Stoffbeutel umfüllen musste, um Dich mit ins Flugzeug nehmen zu können. Es war nicht schwer, weil ich diese Aktivität belastend fand. Es war eher der Gedanke an alles, was Dich mit der Fliegerei verbunden hat.
Auf der Hinfahrt zum Flughafen habe ich abwechselnd geweint und gelacht, weil ich Dich auf dem Beifahrersitz im Beutel habe mitfahren lassen - schräger Gedanke.
Auf der Flugzeugtreppe fand ich dann den Anblick des Beutels irgendwie schon besser. Du hättest gelacht. Zumal ich den Beutel mit einem Deiner bunten Schuhbändel zugebunden habe.
Im Flugzeug hat mein lieber Onkel, Dein Flugzeugbuddy und Fliegerfreund Dich liebevoll angegurtet, so wie sich das eben gehört.
Ich muss zugeben, ich war etwas nervös. Ob ich es schaffen würde, Dich - zusammen mit unserer verstorbenen Hündin Ellie - im richtigen Moment und in der richtigen Dosierung aus dem Cockpitfenster freizulassen? Aber mit Hilfe des erfahrenen Piloten-Onkels haben wir es geschafft, Dich ziemlich punktgenau über unserem Zuhause am Jurasüdfuss fliegen zu lassen.
Der Sohnemann hat mich dabei begleitet, während unser Tochterkind von zu Hause gefilmt und fotografiert hat. Und sie hat dabei einen Schuss erwischt, den mal erst mal schaffen muss. Wenn man das Foto genau betrachtet sieht man nämlich, dass die Asche an der Heckflosse sich den Weg als sanfter Silberstreifen in die Luft bahnt.