Lachen erlaubt
von Daniela Jäggi
Wie oft habe ich in den letzten zwei Monaten beim Begegnen von Bekannten den Satz gehört:
"Sorry, aber ich wusste nicht, was ich sagen soll - drum habe ich mich nicht gemeldet."
ROTER B U Z Z E R!!!
Falls ihr auch zu jenen gehört, denen die Worte fehlen oder die sich im Coop lieber hinter dem Regal verstecken, als mich womöglich fragen zu müssen, wie es mir geht: Trauer ist NICHT ansteckend. Dies schon mal vorneweg.
Und dann ist da noch so einiges anderes, was ich gerne loswerden möchte:
- Die Tatsache, dass manchen die Worte fehlen hängt schlicht und einfach damit zusammen, dass Mann oder Frau sich nicht mit dem Thema Tod auseinandersetzt. Es wäre dringend an der Zeit, mit diesem Tabu zu brechen. Ich weiss nämlich von keinem, der lebend aus dem Leben gekommen ist. Der Schluss ist bei uns allen tödlich. Ohne Ausnahme!
- Trauernde laufen nicht den ganzen Tag mit einem "Lätsch" durchs Leben und sie brechen auch nicht zwingend immer in Tränen aus, wenn man sie fragt, wie es ihnen geht. Und selbst wenn - Tränen gehören zum Leben.
- Wenn ihr mich fragt, wie es mir geht, dann müsst ihr damit rechnen, dass ich sage: "Gut, danke - und selber?" Ja, Tatsache - einen geliebten Menschen zu verlieren bedeutet nicht zwingend, das eigene Leben nicht mehr zu lieben.
- Ich habe mich darauf vorbereiten können, dass es Menschen geben wird, die mir ausweichen, um nicht kondolieren, das Beileid auszusprechen oder was auch immer zu müssen. Ihr Lieben, das müsst ihr nicht. Ich mag es nämlich gar nicht, wenn ich plötzlich nur noch darauf reduziert werde, nun alleinstehend zu sein. Themen wie das Weltgeschehen, das liebe Wetter oder lästige Falten im Gesicht gehören nach wie vor zu meinem Kommunikationsfundus.
- Ich bin alleine satte 100%. Es ist nicht so, dass ich auf einmal nur noch 50% bin. Mein Göttergatte und ich, wir waren beide je 100%. Mir fehlt weder ein Bein noch ein Arm - ein normaler Umgang mit mir ist also erwünscht!
- Ich hatte schon als Kind ein sehr entspanntes Verhältnis zum Thema Sterben und Tod. Und ich habe schon damals alle Tabu's gebrochen. Dass es aber heute immer noch diese alten Zöpfe der Trauer aufrecht zu halten gilt, erstaunt mich doch sehr.
- Keine Bange, in der Regel nehme ich meinem Gegenüber die Scheu vor dem Thema, indem ich einfach gnadenlos raushaue, wo ich grad stehe.
Als Kommunikationsfrau weiss ich, dass alles, was unter dem Tisch totgeschwiegen wird, Angst macht. Holt man es nach oben ans Tageslicht und legt es zum Betrachten vor sich hin, verliert es den Schrecken. Genauso ist es mit dem Thema Sterben, Tod und Trauer. Ich werde nie verstehen, warum es okay ist, am Stammtisch über die sexuelle Zugehörigkeit der Dorfbewohner zu tratschen, nicht aber über das Ende des Lebens. Vielleicht, weil das eine als sexy gilt, das andere eben nicht?
Macht euch doch alle mal Gedanken dazu. Es lohnt sich.